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Eine Berglandsächsin mit preußischen Beinen – 22 064

 

Am 04.06.1924 hatte die 39 165 ihre Abnahme, so feiert im Jahr 2014 ein wesentlicher Teil von 22 064 seinen Geburtstag. Den Herren Andreas Stange und Volkmar Kubitzki möchte ich für die Zuarbeit danken.

 

Im Bayrischen Eisenbahnmuseum Nördlingen steht eine Lok der Baureihe 22 der ehemaligen Deutschen Reichsbahn, die Dampflok 22 064. In ihrem kurzen Lokomotivleben war sie auf sächsischen Schienen im Mittelgebirge im Einsatz. Dazu war die Maschine in den Bahnbetriebswerken Karl-Marx-Stadt (dem heutigen Chemnitz) sowie kurzzeitig in Reichenbach beheimatet und erreichte dabei regelmäßig Dresden, Leipzig und Gera. Aber auch Berlin und Hof im Freistaat Bayern waren Zielbahnhöfe für die 22er.

22 064 im Bayrischen Eisenbahnmuseum Nördlingen22 064 im Bayrischen Eisenbahnmuseum Nördlingen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Entstanden ist die 22 064 im Jahr 1960 aus der 39 165. Die Baureihe 390-2 stellt die letzte von den Preußischen Staatseisenbahnen entwickelte Personenzuglokomotive dar. Diese als P 10 bezeichnete Personenzuglokomotive sollte vor schwereren Schnell- und Personenzügen eingesetzt werden. Die von Borsig Berlin unter der Leitung von Oberingenieur August Meister 1919 entwickelte P 10 sollte unwirtschaftliche Vorspannleistungen im Mittelgebirge überflüssig machen. Die erste Maschine dieser Gattung wurde dann 1922 schon an die Deutschen Reichsbahn Gesellschaft geliefert, welche die Baureihe 390-2  nicht nur im preußischen Hügelland einsetzte. Die ursprünglich 1924 bei der Firma Henschel & Sohn in Cassel - die Umbenennung in Kassel erfolgte erst am 13.9.1926 - gebaute Lok 39 165 hatte die Fabriknummer 20216. Die ersten beiden Betriebsjahre verbrachte die Lok 39 165 noch in der Nähe ihrer Geburtsstätte. Danach lief sie die gesamte Betriebsdienstzeit bis zur Ausmusterung in Sachsen.

 

preußische Drehgestelle eines 2'2' T 31,5 Tenderspreußische Drehgestelle eines 2'2' T 31,5 Tenders

Mehr als Hauptrahmen, Radsätzen und Innenzylinder sind von der ursprünglichen 39 165 nicht gebliebenMehr als Hauptrahmen, Radsätzen und Innenzylinder sind von der ursprünglichen 39 165 nicht geblieben

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Spenderlokomotiven der Baureihe 390-2 litten Zeit ihres Lebens unter ihrem leistungsschwachen Kessel und der mangelhaften Führung der Dampfwege, sodass die für das Triebwerk erdachte Leistung nicht erbracht werden konnte. Die nach dem zweiten Weltkrieg zur Verfügung stehende Lokomotivkohle verschärfte die Situation zusätzlich. So gelangten die 85 ostdeutschen P10 in das Rekonstruktionsprogramm und erhielten einen neuen Verbrennungskammerkessel mit Mischvorwärmeranlage der Bauart IfS. In den Jahren zwischen 1958 und 1962 entstanden im Reichsbahnausbesserungswerk (Raw) Meiningen 85 formschöne und leistungsfähige Personenzuglokomotiven. Die 22 064 bekam 1960 bei ihrem Umbau in Meiningen die Fabriknummer 80 zugeteilt. Der aus den Baureihen 41 und 0310 bekannte Dampferzeuger erforderte eine Verlängerung des Hauptrahmens der Lokomotive. Die Fahrzeuge wurden hauptsächlich mit Schlepptendern der Bauarten 2'2' T 32 oder 2'2' T 34 ausgestattet.

Typischer Tender der BR 22, hier ein 2'2' T34 mit 22 029 im Bw NördlingenTypischer Tender der BR 22, hier ein 2'2' T34 mit 22 029 im Bw Nördlingen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Lokomotiven mit den Betriebsnummern 22 001–085 waren hauptsächlich in den Reichsbahndirektionen Dresden und Erfurt beheimatet und liefen vorwiegend im schweren Schnellzug-, Eilzug- und Personenzugdienst. Die Nutzung der Baureihe 22 in Plänen der Baureihe 01 bei der Deutsche Reichsbahn führte zu einer Überlastung der ursprünglichen, nun schon 40 Jahre alten Bauteile und damit zu Rahmenrissen und Kolbenschäden. Mit der Elektrifizierung des sächsischen Dreiecks verloren die Lokomotiven der Baureihe 22 ihr wichtigstes Einsatzgebiet. In den 1960iger Jahren lernten außerdem die Diesellokomotiven der Baureihe V180 das Laufen. So war eine frühe Ausmusterung einer Vielzahl der eleganten Lokomotiven die Folge. Da die Nutzungsdauer der Verbrennungskammerkessel mit Mischvorwärmeranlage noch nicht abgelaufen war, wurden ab 1968 insgesamt 50 der 85 Rekokessel der Baureihe 22 für die Rekonstruktion der Baureihe 030-2 weiterverwendet.

 

Innenzylinder der 22 064Innenzylinder der 22 064

Kropfachse der 22 064Kropfachse der 22 064

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schweißnaht am Rahmen der 22 064, hier wurde der Rahmen verlängert, um den Verbrennungskammerkessel unterzubringenSchweißnaht am Rahmen der 22 064, hier wurde der Rahmen verlängert, um den Verbrennungskammerkessel unterzubringen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die BR 22 war mit Trofimow-Schieber ausgerüstet, Hinweise dazu wurden auf dem Führerstand der Loks angebrachtDie BR 22 war mit Trofimow-Schieber ausgerüstet, Hinweise dazu wurden auf dem Führerstand der Loks angebracht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit der Einführung der Computernummern im Jahr 1970 wurden die restlichen Lokomotiven als Baureihe 3910 eingeordnet. 1970 waren jedoch nur noch wenige Maschinen von Halberstadt und Saalfeld aus im Einsatz. 1971 wurden die letzten Lokomotiven abgestellt.

Eine Reihe von Maschinen verdiente sich ihr Gnadenbrot bis in die 1990er Jahre hinein als Dampfspender. So entging auch die 22 064 der Verschrottung. An der Lok wurden alle nicht betriebsnotwendigen Teile entfernt. So wurden Zylinder, Steuerung, Kesselfeinausrüstung, Lampen, Windleitbleche und vieles mehr entfernt und zur Erfüllung des Schrottsolls in Meiningen verwendet. Den Innenzylinder hat die Lok im Gegensatz zu vielen Heizlokomotiven und Dampfspendern der Baureihe 44 jedoch immer behalten. Seit 1991 ist nun das Bayrische Eisenbahnmuseum Nördlingen damit beschäftigt aus dem Torso ein ansehnliches Exponat herzurichten und so ist 22 064 jetzt die vollständigste aller erhaltenen Loks der Baureihe 22. Die momentan angebauten Zylinder stammen allerdings von einer Lok der Baureihe 44.  

 

 Achskasten mit Luftklappen der 22 064Achskasten mit Luftklappen der 22 064

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lebenslauf der 22 064

 

1924-1960: 39 165 (DRG, DRB, DR)

Anlieferung auf Vertrag AI 1755:27.05.24

EAW Cassel Vbf. Abnahme  04.06.24

Lok geliefert mit Hochglanzblechen als Kesselverkleidung am Lokomotivkessel

(Verfügung EZA Berlin 25.351 V/L 474/24 vom 08.04.1924)

 

Bw Cassel                              26.06.24 – 23.08.26

Bw Leipzig Hbf Nord            16.08.26 – 20.05.28

Bw Reichenbach                   21.05.28 – 17.05.38

Bw Chemnitz                         18.05.38 – 01.05.44

Bw Dresden Alt                     02.05.44 – 29.05.44

Bw Leipzig Hbf Nord             30.05.44 – 12.04.47

Bw Riesa                                13.04.47 – 26.05.51

Bw Dresden Alt                     27.05.51 – 12.11.55

Bw Riesa                                13.11.55 – 25.07.56

Bw Dresden Alt                     30.08.56 – 19.09.56

Bw Riesa                                20.09.56 – 02.10.59

Bw Karl-Marx-Stadt              01.11.59 – 27.04.60

Bw Zwickau                           28.04.60 – 21.09.60

Raw Meiningen                     24.09.60 - 23.12.60   L 5  Rekonstruktion 22 064

Bw Karl-Marx-Stadt              24.12.60 – 17.03.64

Bw Reichenbach                   15.05.64 – 21.05.64

Bw Karl-Marx-Stadt              22.05.64 – 29.02.68

                        z-Stellung:                       21.12.67

                        Ausmusterung:               18.04.68

                        Raw Meiningen:                              Umbau in Dsp Nr.20

Lbf. Dessau                            05.06.68 – 31.10.84

Bw Halberstadt                      01.11.84 -

 

seit 1991: 22 064 (BEM, Nördlingen)

Langjährige Heimat der 39 165 und 22 064Langjährige Heimat der 39 165 und 22 064

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kesselverzeichnis:

  1. 20216  Henschel                      1924    04.06.24 neu
  2. 20213  Henschel                      1924    22.03.29 aus 39 162
  3. 2919    Linke-Hofmann            1924    12.02.34 aus 39 109
  4. 10338  Hanomag                      1924    30.12.50 aus 39 040
  5. 11750  Borsig                           1923    19.07.57 aus 39 045
  6. 155      Raw Halberstadt          1960    23.12.60 neu
  7. 100      Raw Halberstadt          1959    04.04.68 aus 22 047
  8. 21        Raw Halberstadt          1958    09.01.75 aus 22 022

Technische Daten der Baureihe 22:

Nummerierung:

22 001–085

Anzahl:

85

Hersteller:

Raw Meiningen

Baujahr(e):

1958–1962

Ausmusterung:

1971

Bauart:

1'D1' h3

Gattung:

P 46.18

Spurweite:

1435 mm (Normalspur)

Länge über Puffer:

23 700 mm

Dienstmasse:

107,5 t

Reibungsmasse:

74,0 t

Radsatzfahrmasse:

18,7 t

Höchstgeschwindigkeit:

110 km/h

Indizierte Leistung:

1.690 PS

Treibraddurchmesser:

1.750 mm

Laufraddurchmesser vorn:

1.000 mm

Laufraddurchmesser hinten:

1.100 mm

Steuerungsart:

außenliegende mit Winterthur-Schleife

Zylinderanzahl:

3

Zylinderdurchmesser:

520 mm

Kolbenhub:

660 mm

Kesselüberdruck:

16 bar

Rostfläche:

4,23 m²

Strahlungsheizfläche:

21,3 m²

Überhitzerfläche:

83,80 m²

Verdampfungsheizfläche:

206,30 m²

Tender:

2'2' T 32/34, 2'2 T 30, 2'2' T 26

Wasservorrat:

32/34/30/26 m³

Brennstoffvorrat:

10 t Steinkohle

Zugheizung:

Dampf

 

 

Erhaltene Exemplare der Baureihen 22 und 39:

22 029, Dsp. Nr. 9, ex 39 197, LHW (Breslau), 1924 (Nr. 2925), Umbau: Raw Meiningen 1959, Fabriknummer: 30; Privat, BEM Nördlingen

22 047, Dsp. Nr. 12, ex 39 172, LHW (Breslau), Baujahr: 1924 (Nr. 2910), Umbau: Raw Meiningen 1960, Fabriknummer: 63; Falkenberg/Elster oberer Bf.

22 064, Dsp. Nr. 20, ex 39 165, Henschel (Kassel), 1924 (Nr. 20216), Umbau: Raw Meiningen 1960, Fabriknummer: 80; BEM, Nördlingen

22 066, Dsp. Nr. 27, ex 39 033; Borsig (Berlin), 1923 (Nr. 11636), Umbau: Raw Meiningen 1960, Fabriknummer: 82; DM Hermeskeil

22 073, Dsp. Nr. 5, ex 39 132, Henschel (Kassel), 1924 (Nr. 20183), Umbau: Raw Meiningen 1961, Fabriknummer: 90; Falkenberg/Elster oberer Bf.

22 075, Dsp. 16, ex 39 007, Henschel (Kassel), 1924 (Nr. 20183), Umbau: Raw Meiningen 1961, Fabriknummer: 90, Press GmbH Espenhain (Rahmen und Fahrwerk)

22 078, Dsp. 3 ,ex 39 086, Borsig (Berlin), 1924 (Nr. 11746), Umbau: Raw Meiningen 1961, Fabriknummer: 95, EFO Dieringhausen (Rahmen und Fahrwerk)

39 184, LHW (Breslau), 1924 (Nr. 2922); LHB Salzgitter

39 230, Maschinenbau-Gesellschaft Karlsruhe, 1924 (Nr. 2308); DBM-N., zur Zeit im DDM Neuenmark

Literatur:

Rainer Heinrich, Heinz Schnabel: Die Baureihe 22, Die Geschichte der "Reko-P 10" (EK Verlag, Freiburg 2001, ISBN 978-3-88255-122-4)

Hansjürgen Wenzel, Die Baureihe 39, Die Geschichte der preußischen P 10 (EK-Verlag Freiburg 2002, ISBN 978-3-88255-138-0)