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Sächsisch-Königlich – königlich sächsischer Hofsalonwagen 447

– der „Mathildenwagen“ des Verkehrsmuseums Dresden

Im Johanneum, einem nach König Johann von Sachsen benannten Renaissancegebäude von 1586 und seit 1956 Stammgebäude des Verkehrsmuseums Dresden, steht ein besonderer Wagen – der letzte erhaltene Salonwagen des königlich sächsischen Hofzuges. Gerade solche herausragenden Fahrzeuge der Herrscherhäuser sind besondere Zeitzeugen, so ist dieser Waggon glücklicherweise museal erhaltengeblieben.

Mathildenwagen im Verkehrsmuseum DresdenMathildenwagen im Verkehrsmuseum Dresden

Dreiachsiger Hofsalonwagen 447Dreiachsiger Hofsalonwagen 447

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im 19. Jahrhundert etablierte sich die Eisenbahn als wichtiges Transportmittel. Ständisch getrennt konnte man in drei oder vier Wagenklassen reisen. Für die einzelnen Herrscherhäuser der jeweiligen im Deutschen Bund bzw. nach 1871 im Deutschen Kaiserreich zusammengefassten Staaten hielt die jeweilige Länderbahn darüber hinaus eigene prächtige Waggons vor, die nur für sie bereitstanden. Der sächsische Hof verfügte schon seit 1853 über zwei Hofsalonwagen. Weitere Fahrzeuge wurden bis 1912 beschafft. Solche als Sonderwagen geführte Salonwagen wurden je nach Bedarf in Regelzüge eingestellt oder verkehrten als Sonderzüge.

Technisch entsprachen die Fahrzeuge immer dem neuesten Standard. Mit mehreren Details waren die Hof- und Salonwagen den Fahrzeugen des regulären Verkehrs sogar einen Schritt voraus – z. B. mit der Heizung, der elektrischen Beleuchtung oder mit dem Faltenbalg zwischen zwei Wagen.

Handbremsende des MathildenwagensHandbremsende des Mathildenwagens

LenkachseLenkachse

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der 1885 von der Waggonfabrik Gebr. Hofmann & Co. AG in Breslau für die K. Sächs. Sts. E. B. gebaute Hofsalonwagen 447 war für die damalige Zeit ein sehr modernes Fahrzeug mit einem vollständig aus Stahlprofilen hergestellten dreiachsigen Untergestell mit Klose-Lenkachsen und durchgehender Zugeinrichtung. Der hölzerne Wagenkasten ist außen mit Blech verkleidet. Bis heute vorhanden sind auch die kleinen Türen der Presskohlenheizung für eine Beschickung von außen. War der Wagen in Züge mit einer durchgehenden Dampfheizung eingestellt, übernahm diese das Wärmen der Innenräume. Die Beleuchtung erfolgte, wie für die damalige Zeit typisch, mittels Pressgas.

Äußere Klappe der PresskohlenheizungÄußere Klappe der Presskohlenheizung

Stangenpuffer am MathildenwagenStangenpuffer am Mathildenwagen

Handbremsende des MathildenwagensHandbremsende des Mathildenwagens

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch die Entwicklung von Lokomotiven wurde durch die Hofzüge vorangetrieben. So sollten die ab 1900 gebauten Lokomotiven der sächsischen Gattung X V den 385 Tonnen schweren sächsischen Hofzug auf der Eisenbahnstrecke Leipzig–Dresden ohne Halt mit 100 Kilometer pro Stunde befördern. Die dazu benötigte Leistung wurde auf rund 1300 PS taxiert. Die Lokomotiven der Gattung X V waren Schnellzug-Schlepptenderlokomotiven der Bauart Atlantic (Achsfolge 2´B 1´). Die von der Sächsischen Maschinenfabrik vormals Richard Hartmann AG in Chemnitz 1900 gebaute X V Nr. 175 gilt zugleich als erste Vierzylinder-Verbundlokomotive in Deutschland. Die Deutsche Reichsbahn ordnete die 15 bis 1903 gebauten Lokomotiven später noch in die Baureihe 14.2 ein.

Der im Johanneum aufgestellte Hofsalonwagen 447, wird auch als Mathildenwagen bezeichnet. Benannt ist der Salonwagen nach Prinzessin Mathilde Marie Auguste von Sachsen, der Schwester von König Friedrich August III., einer Tochter von König Georg von Sachsen und Maria Anna von Braganza und Sachsen-Coburg und Gotha. Die stille und sanfte Mathilde blieb Zeit ihres Lebens unverheiratet und verbitterte darüber. Bei der sächsischen Bevölkerung war sie mit Abstand das unbeliebteste Mitglied des Königshauses. Zerstreuung fand Prinzessin Mathilde beim Malen und Baden. Dazu war sie mit ihrem Gefolge häufig mit dem Zug in (Bad) Elster, dem 1848 zum Königlich-Sächsischen Staatsbad erhoben Kurort mit dem königlichen Kurhaus, dem Albert-Bad und dem König-Albert-Theater. Für diese Reisen nutzte sie gern den Hofsalonwagen 447. Der Waggon hatte für diesen Zweck einen Salon und einen Schlafraum. Außerdem verfügte der Wagen 447 deshalb über eine Wasch- und Toiletteneinrichtung.

Das Reichsbahnausbesserungswerk im damaligen Karl-Marx-Stadt versetzte den nach 1918 für andere Zwecke genutzten Wagen 1954 bis 1956 annähernd in seinen Ursprungszustand zurück. Aktuell plant das Verkehrsmuseum Dresden den Salonwagen wieder mit seiner anfänglichen Inneneinrichtung zu versehen.

 

Technische Daten:

Baujahr:                            1885

Hersteller:                         Waggonfabrik Hofmann, Breslau

Eigentümer:                      K. Sächs. Sts. E. B.

Gattung:                            Salon 3

Wagennummer:               447

Länge über Puffer:           11 670 mm

Gesamtachsstand:           8000 mm

Anzahl der Achsen:         3

Dienstmasse:                   19,3 t

Heizung:                           Presskohle

Beleuchtung:                    Pressgas

Anzahl der Abteile:          3

Sitzplätze:                        10

Bremse:                            Handbremse

 

Der „Mathildenwagen“ kann im Verkehrsmuseum Dresden von dienstags bis sonntags jeweils zwischen 10 und 18 Uhr besichtigt werden.